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Dubai in der Krise – Hintergründe und Sorgen der Investoren

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Thomas Wos

„Nach einigen wirklich perfekten Jahren für uns Investoren hat sich die Lage in den letzten Jahren massiv verschlechtert“, sagt Finanzprofi Thomas Wos. Ihn kennt die Fachwelt spätestens, seitdem er für sein Start-Up Unlimited Emails ein Rekordinvestment an Land gezogen hat. Doch seit einigen Jahren ist er gemeinsam mit seiner Frau Jennifer Wos selbst derjenige, der innovativen Projekten tatkräftig unter die Arme greift. Ihr gemeinsames Unternehmen, die WOS Swiss Investments AG, hat unter anderem auch in Dubai investiert. Doch was früher noch als sichere Bank für Großgewinne galt, ist heute eher zum Risiko geworden.

 

Aufschwung und Fall Dubais: Ein Überblick

Die Lage direkt am Persischen Golf, das ganzjährig milde Klima und die zahlreichen attraktiven Jobangebote waren es, die in der Vergangenheit viele nach Dubai zogen. Kaum ein anderes Land der Welt war seit der Jahrtausendwende ein so beliebtes Ziel für Auswanderer. Doch auch viele Expats, also von Firmen entsandte Experten, tragen zum multikulturellen Bevölkerungsmix bei. Die demographischen Zahlen sprechen eine deutliche Sprache:

 

  • Im Jahr 2000 lebten gerade einmal 800.000 Menschen in Dubai, es war damals also eine überschaubare Stadt
  • 2005 war die Einwohnerzahl bereits auf 1,3 Millionen angewachsen
  • 2010 lebten 1,8 Millionen Menschen in Dubai
  • Im Oktober 2018 wurde mit 3,1 Millionen ein neuer Höchststand erreicht

 

„Wer die historischen Hintergründe kennt, den verwundert diese Bevölkerungsexplosion nicht“, weiß Thomas Wos. Er beobachtet schon seit langem die politischen Entwicklungen am Persischen Golf. 2002 setzte nämlich Scheich Maktum bin Raschid Al Maktum das bisher geltende strenge Gesetz außer Kraft wonach nur Inländern Immobilienkauf möglich war. Mit der Aufhebung dieser Regelung kam es zu einem regelrechten Immobilienboom. Mohammed bin Raschid Al Maktum, der nach dem Tod seines Bruders die Geschäfte übernommen hatte, setzte die weltoffene Politik fort. Doch während der weltweiten Finanzkrise strauchelte auch Dubais Wirtschaft: Das Prestigeobjekt, der 828 Meter hohe Burj Khalifa konnte nur durch eine kräftige Finanzhilfe des benachbarten Emirats Abu Dhabi vollendet werden.

 

Auch die Tourismusindustrie betroffen

Nicht nur die Immobilienszene sondern auch die Entwicklungen im Tourismus bereiten Thomas Wos aktuell Sorgen. „Seitdem Salman bin Abdulaziz Al Saud im Königreich Saudi Arabien den Thron bestiegen und seinen Sohn Mohammed bin Salman zum Verteidigungsminister ernannt hat, gilt die Region nicht mehr als 100% sicher“, findet Thomas Wos eine Erklärung dafür, dass in Dubai Hotelbetten leer stehen. Berichte über militärische Interventionen in der Region und damit verbundene humanitäre Krisen veranlassen Sonnenhungrige, ihren Urlaub anderswo zu buchen.

 

Im Herbst 2018 kam es zu einer Trendwende: Seitdem stagnieren die Nächtigungszahlen und sind sogar rückläufig. Das betrifft auch Thomas Wos, der mit THE WOS auch in der Hotellerie tätig ist. Mittlerweile ist die Belegungsrate sogar auf 67,1 Prozent gefallen – der niedrigste Wert seit der großen Finanzkrise im Jahr 2009. Auch die Schlagzeilen eines drohenden Wirtschaftskrieges zwischen den USA und dem Iran verbessern die Situation nicht unbedingt. Aufgrund geringerer Nachfrage und den permanenten Spannungen in der Region strich die Kreuzfahrtlinie P&O Cruises Dubai bereits aus ihrem Programm. Ab dem Winter 2019/20 werden Schiffe dieses Unternehmens nicht mehr in Dubai anlegen. Gut möglich, das andere Reedereien sich ein Bespiel nehmen und Dubai ebenfalls nicht mehr ansteuern.

 

Massive Auswirkungen auf die ambitionierten Flughafenpläne

Gerade jetzt, wo die EXPO2020 in Dubai unmittelbar bevorsteht, gerät auch Dubais größtes Bauprojekt in die Krise. Bis zum Jahr 2025 hätte hier der größte Flughafen der Welt gebaut werden sollen. 100 Großraumflugzeuge der Marke A380 hätten gleichzeitig Platz gefunden. Insgesamt waren sechs Start- und Landebahnen geplant, mit einer Kapazität von bis zu 250 Millionen Passagieren wäre der Airport zur Drehscheibe zwischen Ost und West avanciert.

 

Vom wirtschaftlichen Aufschwung Dubais profitierte auch die Fluglinie Emirates. Es wurde massiv investiert, mit insgesamt 112 A380 Luftgiganten gehörte die Airline zu den Big Playern im Langstreckenverkehr. Als man jedoch weiter expandieren und in den USA weitere Landegenehmigungen erreichen wollte, stieß man im Ausland auf massiven Widerstand. Amerikanische Airlines bekamen bei ihrem Kampf gegen die schier übermächtige Konkurrenz tatkräftige Unterstützung von der Regierung. Emirates muss sich wegen der geringen Größe des eigenen Landes und der damit verbundenen verhaltenen Nachfrage natürlich international orientieren.

 

Als Kenner des Finanzmarktes weiß Thomas Wos, was die aktuellen Entwicklungen für die renommierte Fluglinie bedeuten. „Die Geschäftszahlen stimmen mich nachdenklich“, meint er. Immerhin war das operative Ergebnis deutlich schlechter als im Vorjahr. Zwar wurden immer noch 610 Millionen Euro erwirtschaftet, allerdings stagnierten die Passagierzahlen fast. Den Anstieg von 0,2 Prozent ist für die Fluglinie kaum spürbar. Dass das massive Expansionsmodell unter diesen Voraussetzungen nicht weiterlaufen konnte, war dem Management rasch klar. Als ersten Schritt strich man die Bestellung weiterer Airbus A380. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Lage in Dubai weiter entwickelt. Investoren wie Thomas Wos hoffen allerdings, dass die EXPO2020 wieder einen neuen Aufschwung bringt. Immerhin hat Dubai so viel zu bieten – mit Strand, Sonne, Meer, Einkaufsmöglichkeiten und viele weitere Attraktionen hat das Emirat trotz Krise nichts an seinem Charme eingebüßt.

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